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ART COLOGNE 2012: NEW POSITIONS zeigt 23 junge Talente

Jury wählt 23 junge Talente
Junge Künstler arbeiten vielfach interdisziplinär
Verleihung des Audi Art Award for NEW POSITIONS am Messefreitag

1980 wurde das Förderprogramm "New Positions" ins Leben gerufen, für das der Bund, das Land NRW, die Koelnmesse und der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler e.V. (BVDG) finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Junge Künstler erhalten damit die Möglichkeit, sich im Rahmen der ART COLOGNE in Förderkojen neben den Ständen ihrer Galeristen zu präsentieren. Für die bevorstehende Art Cologne (18.-22. April) wurden von einer Fachjury 23 Positionen ausgewählt. Zusätzlich wird ein Künstler mit dem AUDI Art Award ausgezeichnet, der neben einer Einzelausstellung in der Kölner Artothek eine Katalog-Veröffentlichung im Gesamtwert von 10 000 Euro beinhaltet. Die Preisverleihung findet am Freitag, 20. April 2012, um 15.00 Uhr in der Monopol-Lounge auf der ART COLOGNE statt.

Auffallend viele der ausgewählten jungen Künstler arbeiten interdisziplinär und lassen sich keinem Medium eindeutig zuordnen. Eine untergeordnete Rolle spielen bei der diesjährigen Auswahl die figurative Malerei und die Videokunst, an Bedeutung gewonnen haben hingegen raumbezogene, installative Arbeiten, bei denen unterschiedlichste Materialien verwendet werden. Künstler umkreisen die eigene Identität und Befindlichkeit, hinterfragen traditionelle Formen und Symbole und reiben sich an gesellschaftlichen Phänomenen.

Mirjam Thomann (Galerie Christian Nagel) beschäftigt sich mit Raum und Zwischenräumen, Architektur und dem Verhältnis, das diese zum Betrachter eingehen. In ihren räumlichen Interventionen finden sich reduzierte architektonische Elemente wie Wände, Säulen und Podeste, die die jeweilige Situation markieren und erweitern. Mit ihren theatralisch-skulpturalen Installationen nimmt Lisa Lapinski (Galerie Johann König) eine eigenwillige Position ein; Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind oft spirituelle und philosophische Phänomene. Natalia Stachon (Galeria SCQ) hat eine lyrisch-minimalistische Formensprache entwickelt, die sie auf Objekte, Installationen und Skulpturen überträgt. Viele Werke der Polin verweisen auf grundlegende Architekturelemente, die raumbezogen in neue Zusammenhängen gestellt werden. Dabei geht es ihr stets auch um die subjektive Erfahrung der Betrachter. Die gebürtige Pragerin Luisa Kasalicky (Galerie Nächst St. Stephan) fällt durch ein vielseitiges Werk auf, das Installation, Tafelmalerei und Zeichnung umfasst. Signifikant sind ihr Interesse an Räumlichkeit und ihre ortsspezifische, installative Arbeitsweise mit Rückgriffen auf den barocken Formenfundus. In ihren bis in kleinste Details konstruierten Inszenierungen spiegelt sich das intensive Nachdenken über Fläche, Farbe, Form und Raum.

An den Grenzen zwischen Denk- und Vorstellungsräumen balanciert das Werk der Medienkünstlerin Pauline M´barek (Galerie Thomas Rehbein), die sich in Zeichnungsserien, Videos und Diaprojektionen mit Phänomenen wie Falten, Schleifen und Knoten auseinander setzt. Spektakulär ist die Video-Arbeit mit dem Titel "Über die Entstehung einer Verschlingung aus der Perspektive eines Schleifenbandes". Durch eine auf dem Band angebrachte kleine Kamera kann man den diffizilen, einer Achterbahnfahrt gleichenden Prozess der Verknotung geradezu körperlich nachvollziehen.

Faszinierende, verstörende Bilder kreieren die niederländischen Medienkünstler Persijn Broersen & Margit Lukács (Galerie Akinci) in Videos wie "Prime Time Paradise" und "Mastering Bami". Die kritische Erforschung der Medienwelt ist ein wichtiger Aspekt im Werk der iranischen Künstlerin Leila Pazooki (Galerie Ernst Hilger). Sie löst etwa textliche und visuelle Elemente aus Zeitungen und Magazinen in einem zensurähnlichen Verfahren und macht auf diese Weise bisher verborgene Schichten von Inhalten erfahrbar. Despina Stokou (Galerie Krobath) thematisiert in ihren vielschichtigen Collagen aus Bildern und Texten die Informations- und Datenflut. Übermalte und überklebte Buchstaben und die Schichtung von Bildern und Schrift weisen auf den gleichzeitigen und unaufhörlichen Nachrichtenfluss hin. Die Arbeiten suggerieren Schnelligkeit und Expressivität, entstehen aber in langer, prozesshafter Arbeit.

Tine Furler (Galerie Hammelehle und Ahrens) umkreist in Foto- und Materialcollagen und Installationen die Frage nach männlicher und weiblicher Geschlechteridentität. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit gesellschaftlich und kulturell motivierten Rollenzuschreibungen, die sie teils ironisch auf die Spitze treibt. Eine subtile, traumähnliche Atmosphäre ist charakteristisch für die sorgfältig inszenierten Schwarz-Weiß-Fotografien von Carina Brandes (BQ), in denen man auf archetypische Motive wie das des Doppelgängers und Konstellationen aus Märchen und Mythen trifft. Zumeist ist sie selbst die Protagonistin in Szenen, die sich einer Deutung verweigern und keine Identifikationsschnittstellen bieten. In den konzeptuellen Foto-Arbeiten der chinesischen Künstlerin Kexin Zang (Galerie Alexander Ochs) durchkreuzen und durchdringen sich Ost und West; werden chinesische und europäische Bildtradition in ein Spannungsverhältnis gesetzt. Die rätselhaften Stillleben-Fotos fordern den Betrachter auf, kulturell bedingte Wahrnehmungsmuster und Kunstkonzepte zu hinterfragen. Der Fotograf Dan Dubowitz (Galerie Mirko Mayer) sucht nach Spuren vergessener und verlassener "Wastelands". Dazu gehören auch die Kinderferienlager, die unter dem Mussolini-Regime in den 1930er Jahren in bis dahin unerschlossenen Küstengebieten der Adria und in abgelegenen Bergregionen errichtet wurden. Dubowitz hat den Verfall und die teilweise Weiternutzung der Anlagen in großformatigen Aufnahmen von bestechender Qualität dokumentiert.

Albert Mayr (Galerie Konzett) entwickelt als bildender Künstler, Performer und Musiker Werkgruppen an der Schnittstelle von Bildhauerei und Medienkunst, für die er weggeworfenes Material der Mediengesellschaft verwendet, das er neu arrangiert, verbindet, bespielt und kommunizieren lässt.
Hochkomplex ist das Werk von Juergen Staack (Konrad Fischer Galerie). Ein grundlegender Aspekt seiner künstlerischen Arbeit ist die Transformation von Bild zu Klang zu Schrift. Bilder beginnen zu sprechen, Fotos verschwinden, werden ausgelöscht und müssen in der Beschreibung wiederbelebt werden - Prozesse, die er gelegentlich in einer Art Versuchsanordnung nachvollziehbar macht. Dabei kommt eine Vielzahl technischer Geräte aus dem Audio- und Videobereich zum Einsatz. In den erzählerischen, von persönlichen Erfahrungen geprägten Installationen des libanesischen Kontrabassisten Raed Yassin (Kalfayan Galleries)spielt die arabische Pop-Musik eine wichtige Rolle. Philipp Goldbach (Annely Juda Fine Art) konzentriert sich in seinem Werk nicht nur auf die Sprache als Instrument der Kommunikation, sondern auch auf die komplexe Beziehung zwischen Träger und Schrift. In der fotografischen Serie "Tafelbilder" reflektiert er die Vergänglichkeit des Materials anhand von Kreidespuren auf historischen Wandtafeln aus Universitäten und Forschungsinstituten; Robert Scotts Reiseberichte hingegen hat er eigenhändig in akribischer Arbeit abgeschrieben.

Mit ihren abstrahierenden Paardarstellung und Menschengruppen, die sie in unterschiedlichen Kunststoffen fertigt, steht Lucy Teasdale (Galerie Mikael Andersen) in der Klassischen Bildhauer-Tradition, die sie auf innovative Weise fortführt, auch wenn die kunsthistorischen Referenzen immer sichtbar bleiben.
Michael Aërts (Galerie Deweer) hinterfragt Symbole und Formen aus Kunst und Architektur, die er unter Verwendung moderner Materialien neu interpretiert und in neue Kontexte stellt. Aerts´ kritische Aneignung historischer Formen basiert auf einer gründlichen Analyse ihrer Bedeutung, die er etwa in einer Serie von mobilen Denkmälern thematisiert. Unübersehbar sind die Anspielungen auf osteuropäische Folklore, Volksmärchen und Kunsthandwerk, die im Werk der Polin Dorota Jurczak (Sies + Höke) scheinbar naiv daherkommen. Menschliche und tierische (Alb)Traumgestalten in klar gegeneinander abgesetzten Farben treten auf; dabei gleitet das Bildgeschehen oft unmerklich vom Bizarren ins Beklemmende.

Flottierende Zeichen und Buchstaben durchkreuzen die Gemälde von Eriks Apalais (Galerie Vera Munro) wie gravitätslose Fremdkörper das Weltall. Die kleinen, oftmals undefinierten Objekte, die aus dunklen Flächen aufscheinen, lassen an eine ferne Erfahrungswelt denken; die großen schwarzen Leinwände berühren tiefer liegende, immaterielle Wirklichkeiten. Zeichenhaft-verschlüsselt geben sich die farbkräftigen Gemälde von Ulrich Wulff (Galerie Bernd Kugler), der mit kraftvollem Pinselstrich und in leuchtenden oder pastelligen Farben eine fantastische Bildwelt entwirft. Patrícia Jagicza (Dovin Galeria) ist eine Vertreterin der fotorealistischen Malerei. Der mexikanische Maler und Zeichner Mauricio Limón (Galeria Hilario Galguera) wird nicht von ungefähr "Jesus Christus des Ghettos" genannt, denn er hält enge Kontakte zu Drogenkids in Mexiko City, die er in kolorierten Zeichnungsserien porträtiert.

Anmerkung für die Redaktion:
Bildmaterial zur ART COLOGNE und zum Preisträger finden Sie in unserer Bilddatenbank im Internet (www.artcologne.de) im Bereich Presse.

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